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Ev.-luth. St.Lambertus-Kirchengemeinde Kirchtimke

Visitation 2019

Superintendentin Jutta Rühlemann, OHZ

Die nächste Visitation steht in unserer Region vom 24.Mai bis 10.Juni 2019 an. Die Superintendentin des Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck macht sich dann in der Region ein Bild von den beiden Gemeinden Wilstedt und Kirchtimke; z.B. was die Arbeit in den letzten Jahren in den Gemeinden bestimmt hat und wo sich Chancen und Herausforderungen zeigen. Mit vielen Beteiligten und Kooperationspartnern der Kirchengemeinden werden in dieser Zeit Gespräche geführt, Statistiken erstellt und die gegenwärtige und zukünftige Situation beraten. Der Blick auf die personelle Ausstattung, den Kreis der Mitarbeitenden, die Gebäude und die Finanzen gehört auch dazu. Schlußpunkt ist ein festlicher gemeinsamer Gottesdienst am Pfingstmontag in Kirchtimke, 10Juni 2019, 10 Uhr.
Wir laden herzlich dazu ein.

Einige Schlaglichter der letzten Visitation aus dem Jahr 2012 sind hier zum Vergleich zusammen getragen.




Artikel vom 16.10.12 - Zevener Zeitung

Kirche als Teil des regionalen Lebens

Kirchtimke. Hin und wieder eine Stippvisite reicht nicht aus, um sich von der Arbeit einer Kirchengemeinde ein Bild zu verschaffen. Deshalb gastierte Jutta Rühlemann, Superintendentin des Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck, jetzt eine Woche zur Visitation in der Kirchengemeinde Kirchtimke. „Hier fällt auf, dass sehr vertrauensvoll zusammen gearbeitet wird. Das bietet große Chancen“, so ihr Eindruck.

Die Gemeinde hat sich in vielerlei Hinsicht positiv entwickelt. Zu diesem Schluss kam Superintendentin Jutta Rühlemann aus Osterholz-Scharmbeck nach einer Woche voll intensiver Gespräche und Begegnungen mit verschiedenen Gremien der Kirche und den Kooperationspartnern. Beschlossen wurde die Visitation mit einem festlichen Gottesdienst. Das anschließende Kirchcafé bot noch einmal Gelegenheit zum Gedankenaustausch.

Pastor Wolfgang Preibusch freute sich, dass neben Jutta Rühlemann auch viele Vertreter der Kooperationspartner – also der Kommunen, Vereine, Schulen und Kindergärten – der Einladung zum Gottesdienst gefolgt waren. Diese waren nicht nur als Gast erschienen, sondern hatten sich mit der Teilnahme am Fürbitten-Gebet in den Gottesdienst eingebracht. Im Anschluss an den Gottesdienst verweilten noch einige Besucher in der Kirche, um bei einer Tasse Kaffee gemütlich zu plaudern.

Anpackende Gemeinde
Auch Jutta Rühlemann hatte sich unter die Gäste gemischt und machte einen zufriedenen Eindruck. „Ich finde es toll und wichtig, mal mit den Menschen der Gemeinde, mit den Menschen, die in Verantwortung stehen, so intensiv ins Gespräch zu kommen“, sagte sie. Besonders sei ihr im Laufe der vergangenen Woche aufgefallen, dass die Gemeinde die Aufgaben anpacke und sehr kreativ sei.

Außerdem lobte sie die gute Zusammenarbeit der Kirche mit den Kommunen, Kindergärten, Vereinen und Schulen. „Die Kirche ist hier ein wichtiger Bestandteil des regionalen Lebens. Das finde ich toll“, erklärte sie. In dieser Woche werde die Visitation in Tarmstedt und Wilstedt fortgesetzt. (maw)

 

Annegret Lünzmann (stellv. Vorsitzende des Kirchenvorstandes), Superintendentin Jutta Rühlemann, Ortspastor Wolfgang Preibusch am Visitationssonntag 14.Oktober 2012 in Kirchtimke

Superintendentin Rühlemann in Kirchtimke

Mitarbeiter/innen und Gemeindeabend

Interessante Information zur Arbeit in der Kirchengemeinde leitete den Abend am 11. Oktober 2012 ein. Aufmerksame Zuhörerin war inmitten der Mitarbeierinnen und Mitarbeiter Superintendentin Jutta Rühlemann, bevor sie selbst ihre Eindrücke aus der Arbeit schilderte. Pastor Wolfgang Preibusch berichtete zunächst von den Schwerpunkten in der Gemeinde und den Veränderungen seit der letzten Visitation.
Ein gemeinsam vorbereitetes Buffet diente zur Stärkung, wie ja die gesamte Visitation der Stärkung der Gemeinde dient.
Bei der Aktion "Wofür schlägt mein Herz in unserer Gemeinde" gab es eine bunte Vielfalt, die sich auch in der facettenreichen Arbeit der Kirchengemeinde widerspiegelt. So manchen lustigen Beitrag war auch mit dabei.
Musikalisch wurde der Abend von Mitgliedern des Denkste-Talks gestaltet. Mit Gebet und Segen und einem guten Gefühl über den Reichtum in der Gemeindearbeit schloß der Abend.

 

Visitation

Im Oktober 2012 stand in unseren beiden Kirchengemeinden Wilstedt/Tarmstedt und Kirchtimke die Visitation an. In regelmäßigem Abstand kommt die Superintendentin zu Besuch. Das hat eine lange Tradition. Martin Luther schreibt bereits vor fast 500 Jahren: "Wie ein göttlich, heilsam Werk es sei, die Pfarren und christlichen Gemeinen durch verständige, geschickte Leute zu besuchen, zeigen uns genugsam an beide, Neues und Altes Testament." In einer Studie der Vereinigten Evangelisch Lutherischen Kirche Deutschlands (1) von 2009 heißt es dazu: "Pfarrer und Gemeinden sollen besucht werden, und zwar durch "verständige, geschickte Leute". Jedenfalls sollen sie nicht allein gelassen werden in ihrem Bemühen, zu ihrer Zeit und an ihrem Ort den christlichen Glauben zu leben und zu bezeugen. Die Kirche soll sie nicht im Stich lassen, sondern besuchen und danach sehen, wie es um sie steht (Apg 15,36). Auch in unserer evangelischen Kirche nennen wir das seit den Tagen Martin Luthers Visitation."

Es gilt, Schätze zu heben!
Durch den Besuch der Superintendentin werden wir in der Region Wilstedt/Tarmstedt-Kirchtimke als Gemeinden ermutigt, auf den Reichtum und die vorhandenen Schätze in unseren Gemeinden zu schauen. Der Blick der Superintendentin kann uns helfen, neue und noch verborgene Schätze zu heben und ihre Stärken aufzubauen. Dazu gehört es, „das Gute zu erkunden, das Beste zu erträumen, die Zukunft zu entwickeln und die nächsten Schritte zu erarbeiten“, wie es ein Kollege (2) formuliert. Dabei ist es wichtig, Prioritäten zu setzen und sich gegebenenfalls auch als Nachbargemeinden zu ergänzen. Aus diesem Grund werden alle Gemeinden im Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck ab jetzt nur noch miteinander „als Region visitiert“. Und so kommt für Wilstedt/Tarmstedt die Visitation etwas früher mit Kirchtimke zusammen.

Wesen der Kirche wird in Erinnerung gerufen
Die Visitation ist nach evangelischem Verständnis „Herzstück“ der Aufgabe der "episkope" (griechisch für "Aufsicht"), bei uns sind das die Superintendenten, Landessuperintendenten und der Bischof. In der Visitation zeigt sich der Glaube an die eine, heilige, christliche Kirche und die geglaubte und gelebte "Gemeinschaft der Heiligen". Denn Kirche als örtliche Gemeinde ist verbunden mit der Gesamtheit der geglaubten Kirche weltweit. Und da lassen wir uns in jeder Visitation befragen, ob wir auch in diesem Sinne lehren und leben, Gottesdienst feiern und unsere Gemeindearbeit gestalten.

 

"...das rechte bischöfliche und Besucheamt“
Martin Luther spricht in höchsten Tönen von diesem bischöflichen oder „Besucheamt“. Im Kleinen gehört es zur Kernaufgabe des Pfarramts, Besuche zu machen und die Menschen in ihrer Lebenssituation aufzusuchen. Dabei gilt es zu hören und mit Wort und Gebet in die ganz unterschiedlichen Lebenssituationen zu sprechen. Das ist das ursprüngliche Bischofsamt, wie es die Reformatoren betont haben. An dieser Aufgabe kann das Pfarramt andere beteiligen. So gibt es in unseren Gemeinden schon längere Zeit Mitarbeitende im Besuchsdienst. Auch die Superintendentin kann bei dem Besuch (lateinisch „Visitation“) der Gemeinden im Großen weitere sachverständige Personen beteiligen, wie z.B. einen Kirchenmusikdirektor, Orgelrevisor und andere mehr.

"Stärkung der Gemeinden"
Die Praxis der Besuche geht (wie Luther schon sagt) bereits auf die Anfänge der christlichen Gemeinden zurück. So lesen wir im Neuen Testament: "Nach einigen Tagen sprach Paulus zu Barnabas: Lass uns wieder aufbrechen und nach unsern Brüdern sehen in allen Städten, in denen wir das Wort des Herrn verkündigt haben, wie es um sie steht" (Apg 15,36). Und am Ende dieses Abschnitts heißt es dann: "Er zog aber durch Syrien und Zilizien und stärkte die Gemeinden"(15,41).
Es geht also um Stärkung und die Gemeinden werden besucht, weil sie nicht allein in der Welt sind, sondern eingebunden in ein größeres kirchliches Ganzes, das sie mitträgt und dem gegenüber sie zu Zusammenarbeit und Rechenschaft verpflichtet sind.

 

Superintendentin Jutta Rühlemann

Der „Zweck“ der Visitation
Die Visitation ist rechtlich geregelt und ihr Zweck ist ein doppelter: Sie soll sowohl in seelsorgerlicher Weise zur wechselseitigen Ermunterung im Glauben dienen, als auch in kirchenaufsichtlicher Absicht zur Prüfung der Verhältnisse am Ort dienen – dazu gehören Finanzen und Gebäude ebenso wie die „geistlichen Verhältnisse“, also Lehre und Leben der Gemeinde und ihrer Mitarbeitenden.

Ihre Pastoren
Marcus Garras (Wilstedt/Tarmstedt)
und Wolfgang Preibusch (Kirchtimke)


Die nächste Visitation steht im Jahr 2018 an.


 

Quellen:
1. Die Visitation
Eine Studie des Theologischen Ausschusses der VELKD
ISBN 978-3-9812446-2-5

2. Philipp Elhaus, Missionarische Dienste
Gemeindetag 2011in Rhade
Zevener Zeitung 17.01.2011

 

Predigt zu Jakobus 5,13-16

Predigt zu Jakobus 5,13-16

Visitationssonntag 14.10.2012

Liebe Gemeinde,
einander zu besuchen ist ein wichtiges Zeichen des Miteinanders und der Wertschätzung – und den heutigen Gottesdienstbesuch nehme ich dankbar wahr – im Blick auf unsere Kirchengemeinde und all die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich hier einsetzen – und auch im Blick auf unseren Gott, dem wir in unserem Leben, Denken und Tun Raum geben in dieser Stunde.

Selbstverständlich ist beides ja nicht, Gott sozusagen aufzusuchen und die sonntägliche gottesdienstliche Feier. Selbst, wenn wir das mit den Konfirmanden im 8. Schuljahr 14-tägig einüben und in unserer Region alle drei Kirchen sonntags zum Gottesdienst offen halten, auch mit Hilfe von Lektoren.
Schön also, dass heute unsere Kirche gut gefüllt ist und wir das auch exemplarisch miteinander erleben, worin die Kraft solchen Besuchens liegt. Schön, dass uns die Chöre uns musikalisch dabei unterstützen.

Ich möchte beim Thema Besuchen zunächst bleiben. Seit vielen Jahren besuchen wir unsere Partnergemeinde in Sachsen. In diesem Jahr hatten wir Gäste aus Böhlitz-Ehrenberg bei uns. Die Partnerschaftskerze mit dem Bild der Kirche dort am Altar erinnert daran. Wir halten auch 23 Jahre nach der Wende an den Besuchen fest, weil wir spüren, wie viele gute Anregungen wir durch die Besuche bekommen. Und wie wir uns gegenseitig im Glauben stärken. Das ist das Gute an den Besuchen. Es ist mehr als nur eine alte Sitte. Und gelegentlich beten wir füreinander im Gottesdienst. Das wollen wir nachher auch miteinander tun – auch im Blick auf unser Kirchspiel und das Umfeld in der Samtgemeinde Tarmstedt.
Von dem Apostel Paulus wissen wir aus dem Neuen Testament unserer Bibel, dass er seine Gemeinden regelmäßig besucht hat. Und wenn er daran gehindert war, hat er Briefe geschrieben, um auf diese Weise Kontakt zu halten; wenn es das damals schon gegeben hätte liebe Konfirmanden, hätte er auch mobil telefoniert, SMS verschickt oder Emails. Ihm ging es darum Kontakt zu halten, Hilfe und Ratschlag zu geben. Andere haben es ihm später gleich getan.

Ich lese dazu die Verse aus dem Jakobusbrief im 5.Kapitel:
13 [a]Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der [b]singe Psalmen.
14 Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und [a]ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn.
15 Und [a]das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden.
16 Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. [a]Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.
17 Elia war ein schwacher Mensch wie wir; und er betete ein Gebet, [a]dass es nicht regnen sollte, und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und sechs Monate.
18 Und er betete abermals, und der Himmel gab den Regen und die Erde brachte ihre Frucht.[a]


I. Ich möchte von einem Erlebnis erzählen:
"Beten Sie für mich, Herr Pastor," sagte eine Frau zu mir. "Ich kann es nicht.“

Ich habe dann ihre Hände genommen und Gott um seinen Beistand gebeten.
So oder so ähnlich habe ich es schon oft erlebt. Selbst wenn eine Situation noch so aussichtslos ist, und wenn wir unsere eigene Ohnmacht spüren, wenn scheinbar alles völlig verratzt ist und keiner weiss, was man noch tun kann:
das können wir für einander tun:
Beten. Gott sei Dank! Und das Gebet hilft. Ich glaube das. Auch habe ich das den Menschen abgespürt. Und nicht selten solchen Menschen, die schon lange keine Kirche mehr besucht haben und dann fast kopfschüttelnd über sich selber sagten: Das hätte ich nicht gedacht. Not lehrt beten. Zu Hause, am Krankenbett oder auch hier in der Kirche; wir dürfen uns an Gott wenden, mit unserer Bitte, unserer Klage und hoffentlich auch mit unserem Dank. Daran erinnert uns der Jakobusbrief heute. Denn Gott lässt uns nicht allein. Ohne dieses Vertrauen würde diese Aufforderung zum Beten keinen Sinn machen.
Darauf vertrauen wir auch in der größten Not, das Gebet hilft, und sei es, dass Gott uns andere Beter an die Seite stellt und ich spüre: Ich bin nicht allein! Das ist die erste gute Botschaft, die ich dem Jakobusbrief entnehme, wenn es hier heißt: „das Gebet des Glaubens wird helfen.“

II.
Und damit komme ich zur zweiten Aussage unseres Jakobusbriefes, die ich herausgreifen möchte: „…das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden.“

„Der Herr wird aufrichten und auch Schuld vergeben“ –
Gibt es Beispiele oder Beweise, dass selbst große Schuld von Gott getilgt wird ? Elia wird hier als Beispiel im Jakobusbrief genannt, der im 9. Jahrhundert im nördlichen Israel als Prophet wirkte. Uns heute muss erklärt werden, wer Elia war, zur Zeit der ersten Gemeinden war das anders.
Schon sein Name war damals wie ein Programm, ELIA bedeutet übersetzt: „Mein Gott ist Jahwe.“ In einer als Strafe Gottes erfahrenen Dürrezeit wendet er sich als Prophet stellvertretend für sein Volk wieder an Jahwe, – betet inbrünstig zu Gott - und der Leben spendende Regen fällt. Damit war klar: Gott hat sein Volk nicht vergessen. Er bleibt Garant des Lebens, ein Gott des Lebens, der frühere Schuld nicht weiter ansieht. Gott sei Dank.

Dieses innerbiblische Beispiel ist für uns heute hier in Kirchtimke und in der Samtgemeinde Tarmstedt kein Beweis, aber ein Hinweis auf frühere Erfahrungen mit dem Gebet, dass es etwas bewirkt.
Und dazu gehört für uns Christen auch der Blick auf Jesus, der für die Seinen betet, und wie er allen lebensbedrohenden Mächten Widerstand leistet, wie er heilt und hilft. Nicht ohne Grund schauen wir auf sein Bildnis in unserer Kirche, wenden uns in seine Richtung beim Beten, singen in jedem Gottesdienst zu Beginn: „Kyrie eleison, Herr erbarme dich.“ Auch nachher bitte ich alle noch einmal einzustimmen in diesen Gebetsruf.
Im Evangelium heute haben wir von der Heilung eines Gelähmten in Kapernaum gehört. Jesus überwindet das Grübeln über einen Zusammenhang von Strafe und Krankheit, er spricht Menschen im Vertrauen auf Gott von ihrer Schuld frei – frei zu einem neuen Leben – er spricht frei, aber nicht ohne Halt, vielmehr frei in der Bindung an Gott.

Liebe Gemeinde, das ist die zweite gute Glaubensbotschaft, an die wir erinnert werden: Das Gebet im Glauben eröffnet einen neuen Weg zum Leben, auch aus Schuld und Versagen heraus.

III. Zum Dritten wird uns hier brüderlich und schwesterlich ein Rat gegeben: „Ist jemand krank, der rufe die Ältesten der Gemeinde.“
Wir wissen alle: Menschen können krank werden, weil in ihrem Leben etwas kaputt gegangen ist, ob aus eigener Schuld oder der Schuld anderer; in der Beziehung zur Familie, zum Partner oder den Kindern. Oder im Beruf, im Umgang mit den Kollegen oder dem Chef, – oder auch aus ständiger Überforderung; „Burn out“ ist in aller Munde und schon fast eine Seuche geworden. Niemand sollte dann allein damit fertig werden müssen. Professionelle Hilfe ist genauso wichtig wie der Beistand und die Unterstützung im eigenen Umfeld und – folgen wir dem Rat des Jakobsbriefes, …das Beten.
Unser Umfeld als Christen ist dafür die Gemeinde, in der das Beten seinen Ort hat. Daran erinnert der Jakobusbrief, und das ist die dritte gute Erkenntnis, es gibt Schwestern und Brüder, die auch für mich eintreten. Niemand von uns ist allein. Gut, daran erinnert zu werden und das dann auch tatsächlich zu erleben in einer Gemeinschaft, so wie heute hier im Gottesdienst, oder bei einem Besuch vom Besuchsdienst. Wie oft hören unsere Damen dann zum Abschied den Satz: „Komm mal wieder“. Ja, wir lassen uns bitten – im Namen unseres Gottes, der ein Ohr hat für uns im Gebet. Gott sei Dank!

IV. Ist damit nun mehr oder weniger schon alles gesagt?
Sollte ich hier die Predigt beschließen? Im Blick auf die Zeit und unser Kirchcafè im Anschluss vielleicht, aber im Blick auf unser Beten noch nicht. Denn es bleibt ja noch die Frage, ob und wie wir dem Ratschlag zum Beten folgen können oder wollen.
Wir wissen, wie schwer das ist, wenn ein Gesprächsfaden abgerissen ist. Wenn unter uns der letzte Besuch, das letzte Gespräch misslungen ist.
„Mit dem spreche ich kein Wort mehr“, sagt mir ein Mann. Und der Nachbar erzählt mir: „“Ich habe nichts gegen ihn, aber wenn er nicht den ersten Schritt macht..."
Mit dem betenden Gespräch mit Gott ist es oft nicht anders. Da bin ich womöglich enttäuscht, dass meine sehnlichste Bitte sich nicht erfüllt. Wozu dann noch zu Gott beten, wenn sich anscheinend doch nichts ändert?
Gut ist es, wenn dann einer da ist, der das Gespräch wieder in Gang bringt, auch das Gespräch mit Gott. Manchmal ist das meine Aufgabe bei Besuchen. Denn ein gestörtes Verhältnis zu Gott zeigt sich vor allem darin, dass er in unserem Denken und Fühlen und Sprechen nicht mehr vorkommt, weder in guten Zeiten, noch in schlechten. Der Jakobusbrief zeigt uns einen Weg, dem wir in der Kirche folgen, jeden Sonntag, aber nicht nur dann.

Dazu sind unsere Kirchen ja gebaut, dass wir dafür miteinander Raum haben, dass uns das Beten hier leichter wird, auch das Beten füreinander. Hier können wir es einüben, singend, sprechend, bittend, klagend und auch dankend.
Im Vers 13 heisst das so: "Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen." Mit anderen Worten: Zu jeder Zeit das Leben in der Beziehung zu Gott sehen. Am Erntedankgottesdienst letzte Woche genauso wie am Bußtag oder Totensonntag in wenigen Wochen.

Nicht müde werden in guten Zeiten und in schweren Stunden das Gespräch mit Gott zu führen. Dazu sind unsere alten und neuen Kirchenlieder ja verfasst. Das ist unser Schatz der früheren Beter vor uns, der uns helfen kann, Gott auch bei uns Raum zu geben: in unserem Gebet, in unserem Denken und Fühlen, in unserem ganzen Leben.

V. Interessant finde ich den konkreten Ratschlag im nächsten Vers 14: "Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl im Namen des Herrn."
Das ist ein gutes Wort für mich als Pastor. Denn das entlastet mich erst mal. Ich bin hier nicht an erster Stelle genannt, da sind andere, die „Ältesten der Gemeinde“, das sind also erfahrene Brüder und Schwestern im Glauben, Kirchenvorsteher vielleicht, oder Gemeindehelfer, oder Leute aus dem Besuchsdienst oder Hauskreis – und dann sicher auch der Pastor.
Einer oder eine von denen soll dann „ über ihm beten und ihn salben mit Öl im Namen des Herrn," heißt es.
Denken Sie an das Streicheln der Hand und einen kleinen duftenden Strauß Blumen, gute Creme für die Haut, eine Süßigkeit, einen Kartengruß oder einfach einen warmen Blick oder ein langer, spürbarer Händedruck kann es auch sein. „Mit Öl salben“ unterstreicht hier, was das Beten schon ist: eine Wohltat für Körper und Seele.

VI. Bleibt zuletzt noch eine Frage: Was ist, wenn ich das alles scheinbar gar nicht brauche? Manchmal höre ich von Leuten, die entschuldigend sagen: „Ich bin aber kein Kirchgänger, ich kann auch zu Hause glauben und beten.“ Sicher, das mag im Einzelfall und für eine bestimmte Zeit gehen, aber, so hören wir es heute aus den Worten des Jakobusbriefes, das Beten ist nicht für uns alleine da. Es beinhaltet die Kraft des Glaubens, die den Bruder und die Schwester in der Gemeinde zu tragen vermag.

- Darum sage ich jetzt ganz deutlich mit den Worten des Jakobusbriefes: Beten Sie viel und oft für andere und mit anderen, damit die Kraft des Glaubens in unserer Gemeinde weiterhin lebendig und wirksam ist.

- Rufen Sie auch mich als Pastor rechtzeitig, z.B. zum Hausabendmahl, solange Großvater oder Großmutter bei vollem Verstand sind und alle gestärkt werden können durch die Feier der Gemeinschaft mit Christus.

Ich habe ganz fröhliche und getroste Abendmahlsfeiern und Andachten in der Stube oder am Krankenbett vor Augen. Laden Sie dann die weiteren Angehörigen ein und die Nachbarn, dass wir auch miteinander singen und beten können. Der Jakobusbrief ermutigt uns dazu, wir haben diese Gewissheit des Glaubens ja schon gehört: Ich lese den Vers noch einmal: "das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten.

VII. Liebe Gemeinde, behalten sie dieses Wort im Gedächtnis: „Das Gebet wird helfen.“
Sicher meint das nicht, wir sollen Gott vorgreifen, w i e er uns und anderen hilft. Das ist seine Sache und bleibt Geheimnis Gottes. Uns soll es genügen, d a s s er unser Gebet erhört, und sei es darin, dass wir Ruhe finden und am Ende beten können: „Dein Wille geschehe.“
Im Krankenhaus sagt eine sonst recht ungeduldige aber doch humorvolle Frau: "Ich habe gebetet, dass ich bald wieder gesund werde. Das ist noch nicht in Erfüllung gegangen. Aber inzwischen bin viel ruhiger geworden. Innerlich. Und das ist auch schon ein kleines Wunder, Her Pastor. Sie kennen mich ja."

Liebe Schwestern und Brüder an diesem Sonntag: "Des Gerechten Gebet vermag viel“, spricht uns der Jakobusbrief zu. Ist das nicht ein großartiger Text für unseren Visitationssonntag – und für unseren Dienst als Gemeinde unter den Menschen hier in unserer Region und darüber hinaus? Ich empfinde es heute so.
Wir Christen können im Glauben füreinander zum Helfer werden, in Gottes Namen, dank seiner Kraft, im Beten.
Und uns selbst kann geholfen werden.“Wer redet, dem kann geholfen werden“, sagte Freitag einer in der Bürgermeisterrunde. Das stimmt. Auch für das Beten.

Und mögen Sie heute alle AMEN dazu sagen können, wenn wir nachher für uns und andere beten, unsere Partner in Leipzig, die Kinder und Jugendlichen bei uns, die Schüler und Konfirmanden, die Vereine und Gemeinderäte, Lehrer und Ärzte, und die vielen ungenannten, die sich dem Dienst am Leben und Zusammenleben verpflichtet wissen.
Als Gemeinde vertrauen wir darauf: Es geht ein Kraft davon aus, unser Gebet vermag viel! Gott sei Dank! Amen.

 

Aspekte integraler Gemeindepraxis

Aufnahme vielfältiger sozialer und individueller Lebensbezüge:

nachgehende Taufarbeit / wiederholte und erneuerte Lebensdeutung auf dem „Hintergrund des geglaubten Weges Gottes mit den Menschen“

konfirmierendes Handeln im Lebenslauf ( „gesegnet werden und ein Segen sein“), Bestärkung für den Glauben und ein gelingendes Leben

 

Begleitung und Beteiligung in erlebter und gelebter Teilhabe an Gemeinde

Beheimatung des Lebens in Kirche und Gewinnung zur Mitarbeit („ein Leib, viele Glieder“/“ein Geist, viele Gaben“)


Mehr unter: Zusammenarbeit ist uns wichtig ...

 

Er will eine Kirche zum Mitmachen

Seit 25 Jahren verknüpft Pastor Wolfgang Preibusch das dörfliche und das kirchliche Leben

Von Sandra Binkenstein
Kirchtimke. "Mir ist es wichtig, möglichst viele Menschen zu beteiligen", sagt Pastor Wolfgang Preibusch. Seine blauen Augen strahlen, er ist sich seiner Sache sicher. Es gibt wohl kaum einen anderen Beruf, der gleichzeitig so sehr Berufung ist, wie der des Pastors. Seit einem Vierteljahrhundert ist Wolfgang Preibusch der Gemeindepastor von Kirchtimke. Nun feiert er sein Dienstjubiläum und zieht Bilanz.

Während seiner gesamten Studienzeit hatte sich Preibusch ehrenamtlich in der Kirche engagiert. Allerdings nicht in Kirchtimke. Er studierte Religion und Chemie und war gleichzeitig Kirchenvorsteher in seiner Heimatgemeinde, der Kreuzkirchengemeinde in Göttingen. Das Studium in der Studentenstadt Göttingen sollte der Beginn seiner Karriere werden: Wolfgang Preibusch wollte seit der achten Klasse Lehrer für Naturwissenschaften am Gymnasium werden. "Ich hätte mir das nicht träumen lassen, dass ich einmal auf dem Land Pastor werde", sagt er heute. Den Ausschlag für seine berufliche Laufbahn habe letztlich die ehrenamtliche Mitarbeit in der Kirche gegeben. Seine Vikariatszeit verbrachte er in Verden an der Aller.

Als Wolfgang Preibusch mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern nach Kirchtimke ins Pfarrhaus gezogen war, hatte das Ehepaar nicht vor, ein Vierteljahrhundert zu bleiben. Sieben bis zehn Jahre sollten es sein, nicht mehr. "Sieben bis zehn Jahre, das war damals eine unendliche Weite, keine Beschränkung", erinnert sich Preibusch. Er war erst 30 Jahre alt, als er im Februar 1986 Pastor der beschaulichen Gemeinde wurde. Das ist jetzt 25 Jahre her. "Wir hätten nicht gedacht, dass wir so lange hier bleiben würden." Mittlerweile hat das Ehepaar Preibusch vier Kinder, alle sind aus dem Haus, studieren an Universitäten in Hamburg, Karlsruhe und Göttingen. Seine älteste Tochter Katharina arbeitet als Wirtschaftsökonomin. Es sei die richtige Entscheidung gewesen, in Kirchtimke zu bleiben, findet Preibusch. "Meine Frau und ich ziehen ein sehr positives Fazit", sagt der Pastor. "Ich schaue ganz dankbar zurück, wir haben viel Unterstützung erfahren." Mit den Nachbarn und den
Gemeindemitgliedern habe sich die Familie Preibusch immer sehr gut verstanden.

"Eine so lange Zeit als Pastor - das klappt nur, wenn die Atmosphäre stimmt." Auf dem Land gebe es eine sehr intensive Verknüpfung von dörflichem und kirchlichem Leben, so Preibusch. Und genau darin besteht das Ziel des Pastors: Er will eine Volkskirche zum Anfassen und Mitmachen, er will Menschen miteinbeziehen und beteiligen. Dieses Anliegen zieht sich wie ein roter Faden durch die Dienstjahre von Pastor Preibusch.

Ein Paradebeispiel für die Beteiligung der Menschen am kirchlichen Leben ist die Lektorenarbeit. Die Kirchengemeinde hat seit drei Jahren 15 ausgebildete Lektoren. "Das ist ein großer Gewinn für die Region. Das zeigt, dass die Gemeinde lebendig ist", findet Preibusch. Die Beauftragung von Lektoren war seine Idee, er ist stolz auf die Gemeindemitglieder, die gelernt haben, im Gottesdienst zu predigen. "Ich kenne keine Region in der Landeskirche, die so viele Lektoren hat."

Preibusch hatte auch bei der Gründung des Fördervereins für Kirchenmusik seine Finger im Spiel. Mehr als 60 Mitglieder hat der Verein mittlerweile. Preibuschs Beteiligungsstrategie ist wieder einmal aufgegangen. Ebenso wie damals, als er den Besuchsdienst einführte und Zeit und Energie investiert hat, um den Kassettenservice zu etablieren.

Vieles hat sich im Laufe der bisherigen Amtszeit von Pastor Preibusch verändert. Es gibt Konfirmandenarbeit im vierten Schuljahr, bei der die Eltern beteiligt werden, es gibt den Mini-Club und Frauenkreise, es gibt die Winterkirche, bei der die Gottesdienste zu den Menschen in die Dörfer kommen und vieles mehr. "Die Aufgabe der Hauptamtlichen ist es, andere Menschen zu gewinnen."

Pastor Preibusch dankt vor diesem Hintergrund allen, die sich am lebendigen Gemeindegeschehen beteiligen. "Ich habe das Bild einer einladenden Kirche vor Augen: freundlich, verbindend, zugewandt", sagt er. Seine wasserblauen Augen strahlen wieder, sein sympathisches Lächeln kommt von Herzen.

Was die Zukunft angeht, so hat Wolfgang Preibusch noch gut zehn weitere Jahre als Pastor vor sich. Zusammen mit Pastor Stephan Kottmeier stellt er sich der Herausforderung, in Wilstedt, Tarmstedt und Kirchtimke Gottesdienste zu gewährleisten, obwohl es nur zwei Pastoren gibt. Preibusch will die Zusammenarbeit der Kirchengemeinden vorantreiben, Synergieeffekte nutzen. Sein Ziel ist eine lebendige Volkskirche über die Grenzen der Kirchengemeinden hinweg.

Und auch die typischen Aufgaben eines Pastors werden in Zukunft weiterhin eine Rolle in seinem Berufsleben spielen. Darin hat er Übung: In den vergangenen 25 Jahren hat Pastor Preibusch rund 5000 Besuche gemacht, etwa 2000 Gottesdienste abgehalten, mehr als 300 Paare getraut und fast 900 Kinder getauft.

Sein Jubiläum feiert Preibusch am Sonntag, 20. Februar, mit einem Nachmittagsgottesdienst in der St. Lambertus-Kirche. Um 14 Uhr geht es los. Von den Menschen, die ihm etwas schenken möchten, wünscht sich Preibusch ein DIN-A-5-Blatt mit einem Grußwort oder einer kleinen Anekdote. Daraus will er sich ein Buch binden lassen. Außerdem wünscht er sich viele neue Mitglieder in den Fördervereinen der Kirchengemeinde. "Andere Geschenke möchte ich auf keinen Fall", sagt der Jubilar.

Wuemme-Zeitung - 01.02.2011 -