Ev.-luth. St.Lambertus-Kirchengemeinde Kirchtimke

Jakobsweg in der Region Kirchtimke - Wilstedt

Jakobsweg bei Steinfeld

Quelle: google maps mit Markierung: "Jakobsweg bei Steinfeld"

Google-Maps: http://goo.gl/maps/DQhk

Aus dem Steinfelder Forst kommend verläuft der Pilgerweg parallel zur Winkeldorfer Strasse und trifft die Hauptstrasse im Ortsmittelpunkt. Von dort geht der Pilgerweg weiter nach Benkel. Europa sei auf dem Jakobsweg entstanden, heißt eine alte Überlieferung.

Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger sind in unserer Kirchengemeinde leider nicht ausgewiesen, da die Pilgerstrecke weit abseits der bewohnten Kirchdörfer verläuft. Wir bitten um Verständnis.

 

Alle Rechte Deutsche Jakobus-Gesellschaft e.V.

Jakobspilgerweg streift das Kirchspiel Kirchtimke

modernes Bild der Muschel zum Jakobsweg

Wer hätte das gedacht? Am Rande unseres Kirchspiels verläuft ein Teilabschnitt des Jakobspilgerweges: Über Brüttendorf , von Zeven kommend, zieht er sich durch den Steinfelder Forst am alten Steingrab vorbei über Steinfeld nach Winkeldorf und Benkel. Er ist damit Teil eines alten Wegenetzes aus dem Mittelalter, das später auch Napoleon nutzte.

PDF-Ausdruck Region

Übersicht: Deutsche Jakobswege

Übersicht hier: Der baltisch-westfälische Jakobsweg

 

Steingrab im Steinfelder Forst

Pilgerweg von Steinfeld Richtung Winkeldorf

Zwischen Stade und Bremen

Seit 2006 ist ein 120 km langes Teilstück des Baltisch-Westfälischen Jakobsweges zwischen Stade und Bremen eröffnet. Der Weg geht von Stade nach Harsefeld, führt weiter nach Boitzen und geht etwa 27 km durch den Landkreis Rotenburg über Heeslingen, Boitzen, Zeven, Oldendorf und Brümmerhof, bevor die Route das Gebiet unseres Kirchspiels steift. Nach Winkeldorf und Benkel führt der Pilgerweg weiter über Ottersberg, Fischerhude und Lilienthal bis nach Bremen.

 

Quelle: google maps mit Markierung: "Jakobsweg bei Steinfeld"

"Mal eben weg sein"

Seit dem Jahr 1993 gehört der Pilgerweg zum UNESCO-Welterbe und das Pilgern ist auf den Jakobswegen (auch auf kleinen Teilstücken) bis hin nach Santiago de Compostela zunehmend populär geworden. Wer "mal weg sein" und seinen gewohnten Raum und seine enge Terminplanung verlassen möchte, wird zum "Pilger", der in der Fremde einen Gewinn an Selbsterfahrung, Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen und der eigenen Spiritualtät sucht. Im engeren Sinn gehören die alten Wege von Frankreich und Spanien zum Jakobsweg, im weiteren Sinne aber auch die Zuwege aus dem nördlichen Europa. So führt der Baltisch-Westfälische Jakobspilgerweg vom Baltikum über Königsberg, Danzig, Rostock, Lübeck, Hamburg und Stade bis nach Bremen in unsere Gegend.

 

Es schliesst sich ein weiter Pilgerwegabschnitt an, der über Belgien, Frankreich dann schliesslich nach Spanien führt. Entlang der Pilgerwege entstanden seit den Anfängen des Pilgerns mehr und mehr Pilgerkirchen und Herbergen und feststehende Orte, die Pilger zu besuchen hatten, insbesondere in der Verehrung von Heiligenstätten. Der Pilgerführer St. Jakobi aus dem 12. Jahrhundert schildert darüber hinaus Wegmarken, die Beschaffenheit damaliger Wege und Unterkünfte einschliesslich der ansässigen Bevölkerung.

Informationen für den Landkreis Rotenburg finden Sie bei tourow.de

 

Die Legende

Der Legende nach soll Karl der Große im 9. Jahrhundert im Traum den Auftrag bekommen haben, das verschollene Grab des Heiligen Märtyrers Jakobus zu suchen, einem der Jünger Jesu. Dieser "Jakobus der Ältere" soll in Spanien gepredigt haben und seine Gebeine nach seinem Martyrium in Paläsina in sieben Tagen über das Mittelmeer wieder nach Spanien überführt worden sein. Das so wieder entdeckte Grab in Santiago de Compostela ist in den folgenden Jahrhunderten Ziel der Pilgerschaft geworden, neben Rom und Jerusalem. Wunder wirkende Kraft wurde der Nähe zu den Reliquien des Apostels zugeschrieben. Der Wunsch nach Heil und Heiligung, Bitt- und Dankmotive, Gelübde, Neugier ubd Fernweh, wirtschaftliche Interessen und auch Strafpilgern finden sich im religiösen Umfeld des Pilgerns wierder. Die tatsächliche Historizität des Grabes spielt dabei eine untergeordnete Rolle gegenüber der als wirksam erfahren Kraft, die von der Stätte ausgeht. Im mittelalterlichen Wunderglauben vergrößerte sich der Ruhm eines Heilgen und der Glaube an die Allmacht Gottes sogar, selbst wenn bei einer offensichtlich falsch ausgegebenen Reliquie der eigentlich ganz woanders liegende Heilige angerufen und als wirksam erfahren wurde.

 

Quelle und Rechte: Manfred Zentgraf, Volkach, Germany

Das Pilgern und die Heiligenverehrung zeigen in gewisser Weise frühe emanzipatorische Züge im Blick auf die verfasste Kirche. Ohne Priester wird die Nähe zu Gott durch die Heiligen gesucht und in volkstümlicher Frömmigkeit (auch direkt) erfahren. Es wundert darum nicht, dass die Kirche früh reagierte und das Pilgern zu reglementieren und zu kanalisieren suchte. Die vorgeschriebenen Wege und Übungen und der Bau der Pilgerkirchen am Weg können andererseits auch als kirchliche Integrationsleistung gewertet werden.

 

Pilgerweg Steinfeld - Winkeldorf : Blick zurück

Horstedter Meditationsweg "Bibelgarten"

Ganz in der Nähe des alten Jakobspilgerweges liegt die Horstedter Kirche mit ihrem "Bibelgarten". Ein Meditationsweg von der Schöpfung bis zur Auferstehung ist als Garten gestaltet. Dicht dabei findet sich die "Johannesklause" und ein Labyrinth, in dessen Mitte sich ein Stein mit dem Symbol der Jakobsmuschel findet, dem Zeichen der Pilgerschaft.

 

Pilgern: Kritische Distanz und Wiedergewinnung

Den Höhepunkt der kritischen Distanz zum Pilgern finden wir im 15. und 16. Jahrhundert bei Erasmus von Rotterdam und zur Reformationszeit auch bei Martin Luther. In die grundsätzliche Kritik der Reliquienverehrung mischt sich starker Zweifel, ob an den sogenannten Heiligen Stätten tatsächlich die Gebeine der dort verehrten Märtyrer liegen, oder aber nur "ein toter Hund oder ein totes Pferd", wie Luther es einmal drastisch sagte, mit der Schlußfolgerung, "darum bleib daheim!".
Nicht als Buße, heilige Pflicht oder gottwohlgefälliges Tun gilt das Pilgern in der Evangelischen Kirche, in der Menschen zunehmend einen neuen Zugang zum Pilgern finden.

 

Kirche in Horstedt mit Meditationsweg

"Evangelisch Pilgern"

Diakon Hermann Brünjes (Hanstedt) schreibt zum "evangelisch Pilgern":
Die beste Bebilderung für evangelisches Pilgern scheint mir die Geschichte des Weges der Jünger nach Emmaus und dann zurück nach Jerusalem zu sein. Nicht das Ziel ist Erfüllung aller Pilgerträume, sondern bereits der Weg steht im Zeichen der Erfüllung. Jesus geht mit. Auch wenn wir ihn nicht bemerken, ist er an unserer Seite. Und durch die geschenkte und nicht selbstgemachte Wahrnehmung seiner Gegenwart werden wir zum Zeugnis unseres Glaubens motiviert.
So wird evangelisches Pilgern für andere fruchtbar und bekommt missionarische Ausstrahlung. Es ist nicht auf ein Ziel fixiert und wird schon gar nicht als eine Bußleistung begriffen, sondern es lebt aus der Gegenwart des Auferstandenen, der an unserer Seite geht und uns Augen und Herzen öffnet.


 

Altartuch in Kirchtimke

Mit einem neuen Verständnis des Lebens und des Glaubens sehen die Pilger von Emmaus nun ihre Aufgabe und nehmen im Kreis der Jüngerinnen und Jünger Jesu ihren Platz ein.