Ev.-luth. St.Lambertus-Kirchengemeinde Kirchtimke

Statistik / Demografie

Statistische Daten KG Kirchtimke

Altartuch in Kirchtimke

"Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit.
Das Ziel, das ihm die Richtung weist, heisst Gottes Ewigkeit".


Statistik Kirchtimke 2018 (2017)

Gottesdienstbesucher, Erwachsene: 5.777 ( 5.266 )
Gottesdienste: 63 (59 ), durchschn. 92 (89)
Kinder und Konfirmanden: 1253 (1315)
Kindergottesdienst extra mtl.: 32 (32)

Taufen: 30 (27)
Trauungen: 7 (4)
Beerdigungen: 25 (30)
Konfirmierte: 38 (21)
Abendmahlsgäste: 744 (649)

Klingelbeutel (Aufgaben in der eigenen Gemeinde): 9.192,59 € (8.098,06 €)
Kollekten für den jeweils abgekündigten Zweck: 8.753,91 € (9.710,67)
Spenden „Brot für die Welt“: 1988,06 € (1572,11 €)
Spenden für die eigene Gemeindearbeit 3.566,33 €
Spenden Kirchenmusik Posaunenchor 1.403,10 €
Spenden Kinder- und Jugendarbeit 475 €
Freiwilliges Kirchgeld 9.525 €

Mit einem großen Teil (etwa 80%) der Spenden und Kollekten wird die Gemeindearbeit im Jahr finanziert, dafür danken wir allen Gebern ganz herzlich!
Die restrlichen Gelder (ca. 20% der genannten Mittel) sind für landeskirchliche Projekte, weitere Aktionen (z.B. Sühnezeichen, Friedensdienste), diakonische Hilfe (z.B. Kinder, Familien) und Hilfsaktionen mit weltweiten Partnern (z.B. Brot für die Welt, Kiundernothilfe, CBM) bestimmt.

 

Statistische Daten Region

Gemeindeglieder
Etwa 61% der Einwohner (70% im Kirchspiel Kirchtimke, 57% im Kirchspiel Wilstedt) gehören den Ev.-luth. Kirchengemeinden der Landeskirche Hannovers an. Im September 2018 waren das 6.514 Gemeindeglieder, davon 4072 in Wilstedt (Anteil 62%) und 2442 im Kirchspiel Kirchtimke (Anteil 38%).

Amtshandlungen in der Region(Kasualien Taufen, Trauungen, Beerdigungen)
Im Mittel der Jahre 2011-2015 lag die Zahl der Amtshandlungen beider Gemeinden in der Region bei 168, davon entfielen durch Vertretungsdienste insgesamt 85 auf das Pfarramt Kirchtimke und 82 auf Wilstedt.

2015:
64 Taufen
11 Trauungen
76 Beerdigungen

105 Konfirmanden


Geburtstagsbesuche
In der Regel werden unsere Gemeindeglieder ab dem 75. Geburtstag besucht.
Es gibt einen Besuchsdienst in den Gemeinden; der Pastor oder ein Vertreter kommt soweit möglich zu den runden Geburtstagen
(80 , 85, 90 Jahre und älter). Nach Absprache bringt der Posaunenchor den Jubilaren zu den runden Geburtstagen ab 80 Jahre ein Ständchen und je nach Wunsch ab dem 90. Geburtstag jedes Jahr.

Altersentwicklung in der Region 2019
über 70 jährige ca. 18,7 % (BRD 2010: 15,2%)
über 80 jährige ca. 9 % (BRD 2012: 5,4%)


Jahresaufstellung


Dez 2018, über 70 jährige (über 80 jährige):
Wilstedt 840 (369)
Kirchtimke 439 (213)

Entwicklung Gemeindegliederzahl 2010 - 2022

Jahre   2010   Jan 2017  Jan 2019   Demogr. Rückgang durchschnittlich jeweils in den letzten 2 Jahren   2022 erwartet, wenn die Entwicklung so bleibt:  
Kirchtimke   2671  2489  2423  1,3%   2337 
Wilstedt   4524  4223  4051  2,0%   3836 
Summe   7195  6712  6474  1,8%   6173 

Unter 12 Jahre und über 75 Jahre

Die demografische Entwicklung zeigt in unserer Kirchengemeinde deutliche Spuren. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Kinder unter 12 Jahren deutlich zurück gegangen und die Zahl der über 75jährigen gestiegen:

unter 12 Jahre: etwa - 17 %
2007: 367
2012: 305 / 11,7% (BRD 2012: 10,4%)

über 75 Jahre: etwa + 12 %
2007: 257
2012: 287/ 11 % (BRD 2012: 9,7%)

Einwohner Samtgemeinde Tarmstedt 2012

Statistik: Einwohner / Gemeindeglieder

Einwohner in der Samtgemeinde 31.12.2015: 10.796

Tarmstedt 3819
Wilstedt 1738
Vorwerk 1029
Bülstedt 753
(davon Steinfeld 198)
Kirchtimke 974
Breddorf 1065
(davon Hanstedt 192 / Kirchengemeinde Rhade)
Hepstedt 987
Westertimke 431

Gemeindeglieder der Ev.-luth. Landeskirche (30.12. 2015) : insgesamt 6.712 / das entspricht ca. 65 % der Bevölkerung
Kirchengemeinde Kirchtimke: 2.489 von etwa 3550 / das entspricht ca. 70 % der Bevölkerung
Kirchengemeinde Wilstedt: 4.223 von etwa 7100 / das entspricht ca. 60 % der Bevölkerung

Gesamtfläche der Samtgemeinde 186,58 km²; / entspricht ca. 57 Einwohner je km²:
- in der Kirchengemeinde Wilstedt ca. 65 Gemeindeglieder je km²; (bei ca. 65 km²);
- in der Kirchengemeinde Kirchtimke ca. 20 Gemeindeglieder je km²; (bei ca. 120 km²).

Geburten 2010 in der Samtgemeinde: 98 / ev. Taufen: 76 (77%)

Kirchtimke:
Konfirmationsanteil aller 14-jährigen im Durchschnitt der letzten drei Jahre: 87%
Wilstedt:
Konfirmationsanteil aller 14-jährigen im Durchschnitt der letzten drei Jahre: 76%

Sterbefälle 2010 in der Samtgemeinde: 105 / ev. Beerdigungen: 83 (79%)

 

Demografiegutachten

Quelle: Internetseite der Samtgemeinde Tarmstedt

Zusammenfassung aus dem Demografiegutachten 2030/ Dipl.Ing. Kramer

Samtgemeinde Tarmstedt 2030:
- Bevölkerungsrückgang ca. 10%
- Hohe Abwanderung junger Leute
- Verlust zwischen 75 und 100 Einwohner pro Jahr
- Unterschiedliche Entwicklung in den Ortschaften (Nord-Südgefälle)
- Zahl der Grundschüler sinkt
- Rückgang der Schüler SEK 1: um ein Drittel
- Zahl der Jugendlichen/jungen Erwachsenen sinkt um ca. 33 %-45%
- Zahl der 25 – 44 –jährigen sinkt um ca. 15%
- Zahl der 45 – 64-jährigen sinkt um 20% - 25%
- 50% mehr „junge Alte“ und Senioren
- Zahl der pflegebedürftigen Einwohner steigt zunehmend
- Zahl der Sterbefälle steigt
- Zahl der Erwerbstätigen sinkt um 20% - 25%

 

Erwartete Entwicklung bei uns bis 2030

Drei Voten zur Demografischen Entwicklung

1. Demografischer Wandel – Was nun ?
„Demografischer Wandel steht in Deutschland heute vor allem für die Alterung der Bevölkerung und einen langfristigen Rückgang der Bevölkerungszahl. Diese Entwicklungen stellen den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft vor Ort vor ungekannte Herausforderungen.
Alterung ist …ein Ausdruck einer gesellschaftlichen Modernisierung und einer hohen nicht nur ökonomisch definierten Wohlfahrt. Auch für die Kirche wird erst die Zukunft zeigen können, ob der Anspruch eingelöst werden kann, Einrichtungen und Betreuung flächendeckend und gerade in den besonders vom demografischen Wandel betroffenen Regionen dauerhaft aufrecht zu erhalten.“

Frank Swiacny, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
www.bib-demografie.de

2. Mit Realismus und Gottvertrauen
„Wir können den demografischen Wandel nicht aufhalten, aber wir können ihn mitgestalten. Die Bevölkerung wird immer älter. Sie wird insgesamt weniger. Sie zieht zunehmend in die Ballungsräume. Das Evangelium hatte zu allen Zeiten Kraft und die Christenmenschen schreckten nicht vor Veränderungen zurück. Gott verheißt, dass er mitgeht, wenn die Welt sich ändert. (…) große Kindergottesdienste, Jungbläser ohne Ende, Jugendfreizeiten, die aus den Nähten platzen. Das wird es auf den Dörfern definitiv nicht mehr geben und auch in den Städten wird das Gemeindeleben neue Formen annehmen.“

Annegret Puttkammer, Pfarrerin und Pröbstin für Nord-Nassau

3. „Nach vorne blicken und hinsehen"
"Und sich bewusst machen, dass Veränderungen zum Leben gehören. Der demografische Wandel lehrt bereits: Nur wenn die Menschen auf dem Land bleiben, bleibt auch die Kirche im Dorf. Auch das Kerngeschäft richtet sich nach Matthäus 28 an alle Lande (!) und nicht an den inneren Kern der Gemeinde. Also, nicht jammern, sondern gemeinsam finden wollen – und dann kommen die Ideen, die Antworten, z.B. auf die Frage:
Wozu sind wir als Kirchengemeinde an unserem Ort in der Region mit anderen gemeinsam eigentlich gut?. (Nicht): „Wo wollen wir in 20 Jahren sein? Oder gar „Was wollen wir lassen?“

Stephan Wichert-v.Holten, Pastor und Superintendent in Lüchow-Dannenberg

Quelle: Gemeinde leiten

 

Chancen und Potenziale des demografischen Wandels

"Wenn es heute um die Chancen der demografischen Entwicklung geht, dann geht es maßgeblich darum, die Potenziale zu entdecken, zu nutzen und zu fördern, die Ältere in unsere Gesellschaft einbringen. Viele Ältere wollen zunehmend auch über ihr Berufsleben hinaus gebraucht werden. Die Gesellschaft braucht sie und ihre im Laufe des Lebens erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten immer dringender. Hier liegt ein Schatz verborgen, den zu heben wir uns stärker anstrengen müssen als bisher. Die Kirche ist hier tatsächlich eine Vorreiterin. In diesem Zusammenhang sind genauere Blicke auf die „neuen Alten“ nötig: Viele von ihnen sind zwar bereit, in der Gemeinde mitzuarbeiten, aber sie sind aufgrund ihrer beruflichen Biografien auch daran gewöhnt, Freiräume zu haben, eigenverantwortlich zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen.“

Prälat Dr. Bernhard Felmberg
Berlin, 12. Juni 2009

 

Statistik Deutschland bis 2012

Quelle: http://www.indexmundi.com

Deutschland:
Zahl der Geburten je 1000 Einwohner (2011): ca. 8,3 (662.712 Geburten im Jahr 2011)
Zahl der Sterbefälle je 1000 Einwohner (2011): ca. 11

 

Quelle: http://www.indexmundi.com

Ein Rückgang an Geburten (ca. 0,8% pro Jahr seit 2001) und eine langsam steigende Sterberate (ca. 1% im Jahr) führen insgesamt zu einem Bevölkerungsrückgang, der sich auch in sinkenden Gemeindegliederzahlen zeigt.
Noch ist die Geburtenrate mit ca. 10 auf 1000 Einwohner bei uns etwas günstiger, kann aber die Verluste aus Abwanderung (Ausbildung, Stadt/Land usw.) und der Sterberate nicht ausgleichen und führt deshalb in unseren Gemeinden zu einer "normalen" demografischen Schrumpfung.

 

Daten EKD 2011

Von den rund 80 Millionen Einwohnern Deutschlands ist weiterhin fast jeder Dritte evangelisch. Der Statistik zufolge gehörten Ende 2011 der evangelischen Kirche 23,6 Millionen Menschen an (2010: 23,9 Millionen).
Der Anteil der Christen in der Bevölkerung lag 2011 den Angaben der EKD zufolge bei 61,5 Prozent. Darin sind neben Katholiken und Protestanten auch Mitglieder der evangelischen Freikirchen, der orthodoxen sowie anderer christlicher Kirchen und Gemeinschaften enthalten. 1990 stellten allein die evangelischen und römisch-katholischen Christen noch mehr als 70 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung.

Im Jahr 2011 gab es 15.007 evangelische Kirchengemeinden (2010: 15.129). Bei den sogenannten kirchlichen Amtshandlungen wie Taufen, Konfirmationen und Trauungen gab es kaum Veränderungen: 174.196 junge Menschen wurden getauft (2010: 174.164), 238.487 konfirmiert (210: 231.891) sowie rund 48.400 getraut (2010: 51.882).

Quelle: epd Juni 2013

Demografiebericht 2006 - 2025

Demografiebericht der Samtgemeinde Tarmstedt

Gemeindegliederzahl 1.8.2012 Region: 7.054 ( 2011: 7.175 )
Ki 2609 / Wi 2213 / Ta 2232

Geburtenrate in der Samtgemeinde: etwa 10 Kinder auf 1000 Einwohner, also 1%
Taufrate in unseren beiden Gemeinden: 2011 bei 74 Taufen auf 7175 Gemeindeglieder, also etwa 1 %
Die Zahl der Taufen ist in den letzten beiden Jahren relativ konstant geblieben.

Vergleich: 2009/2010 lag in Deutschland insgesamt die Quote der Taufen mit ca. 206.500 bei 24,832 Millionen Mitgliedern unter 1 % (0,83), in der hannoverschen Landeskirche sinkt die Quote allerdings jährlich mehr als in anderen westlichen evangelischen Kirchen. Die Taufquote liegt bei 74,1 % (741 Taufen bei 1000 Kindern evangelischer Eltern). Allerdings kann die Statistik die später getauften Kinder (z.B. bis zur Konfirmation) nur schwer erfassen.

Ev. Beerdigungen 2011: 13,6 auf 1000 Gemeindeflieder, also etwa 1,4%
Die Zahl der Beerdigungen ist in den letzten beiden Jahren um 5 bis 15 % gestiegen.

Die Gemeindegliederzahl sinkt jährlich im Schnitt um fast 1 %. Gründe sind der demographische Wandel und die Bildungswanderung der Schulabgänger zur Ausbildung/Studium.


 

Pro 1000 Einwohner nur noch acht Kinder geboren

Kindergrundsicherung könnte deutsche Überalterung bremsen
dpa, 15.10.2012 13:37 Uhr

Berlin - Eine Grundsicherung für Kinder könnte einer Studie zufolge der seit Jahrzehnten sinkenden Geburtenrate in Deutschland entgegenwirken. Zusammen mit Betreuungsangeboten würde eine solche finanzielle Leistung vielen Paaren mit Kinderwunsch entgegenkommen.

Das sagte der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Günter Stock, am Montag bei der Vorstellung der Studie "Zukunft mit Kindern" in Berlin.

"Wir stellen uns ein Gesamtpaket vor, aus dem Paare sich nach individuellen und regionalen Bedürfnissen Teile heraussuchen können", sagte Stock zum Konzept der Kindergrundsicherung. Die konkrete Ausgestaltung der Leistung sei Sache der Politiker.

Für die Studie hatten mehrere Wissenschaftler drei Jahre lang Ursachen der niedrigen Geburtenzahlen in Deutschland, Österreich und der Schweiz analysiert und nach Wegen für mehr Familienfreundlichkeit gesucht. Deutschland liegt bei der Geburtenrate im internationalen Vergleich hinten: Pro 1000 Einwohner werden nur noch acht Kinder geboren, ermittelte jüngst das Statistische Bundesamt. Seit etwa 40 Jahren reichten die Geburten nicht mehr aus, um die Elterngeneration zahlenmäßig zu ersetzen.

Zeit sei ein weiterer wichtiger Faktor bei der Entscheidung für oder gegen ein Kind, erläuterte Stock. Hier seien Arbeitgeber gefordert, neue Arbeitszeitmodelle anzubieten. "Es kommt dazu, dass Eltern, die sich für ein Kind entscheiden, nicht nur finanzielle Einbußen hinzunehmen haben, sondern sie können in vielen Fällen nicht mehr teilnehmen am gesellschaftlichen, am sozialen Leben."

Einige Meinungen rund um das Kinderkriegen entlarvt die Studie als Mythen. So stimme es nicht, dass niedrige Geburtenraten die Folge von Erwerbstätigkeit von Frauen ist. Auch die Annahme, Frauen könnten bis Anfang oder Mitte 40 problemlos schwanger werden, sei eine Legende. Ab dem 35. Lebensjahr nehme die Fruchtbarkeit der Frau deutlich ab. Da könne auch Reproduktionsmedizin nicht mehr in jedem Fall helfen.

Bremsen möglich, stoppen nicht

Bremsen möglich, stoppen nicht

Westertimke/Tarmstedt. Gebährfreudige Frauen, vielfältiges bürgerschaftliches Engagement, stabile Familienverbände –die Samtgemeinde Tarmstedt wird von den Folgen des demografischen Wandels weniger beeinträchtigt werden als andere Kommunen. Mit dieser Aussage dürfte Peter H. Kramer am Dienstagabend für Beruhigung unter den Mitgliedern des Samtgemeinderates gesorgt haben. Gleichwohl enthielt die Vorstellung seines Gutachtens in Westertimke unangenehme Botschaften. Von Bert Albers

Bis 2030 wird die Zahl der über 75-Jährigen gegenüber heute um 55 Prozent zunehmen. Gleichzeitig dürfte die Einwohnerzahl um sechs bis elf Prozent fallen. Heißt: Was gemeinhin als demografischer Wandel bezeichnet wird, geht auch an der Samtgemeinde Tarmstedt nicht spurlos vorüber. Dennoch stellte Peter H. Kramer gleich zu Beginn seiner Ausführungen klar: Der demografische Wandel ist nicht gottgegeben, nicht alternativlos. Die Entscheidungsträger in den Kommunen können zumindest auf seine Ausprägung Einfluss nehmen. „Zukunft ist gestaltbar“, so der Diplom-Ingenieur.

Deshalb liefere er auch keine Prognosen, sondern Daten und die Ergebnisse von Computersimulationen. Prognosen hätten in der Demografie nichts verloren. Zudem zeige er Handlungsmöglichkeiten auf. Welche das in Tarmstedt im Detail sind, dürfte erst aus dem 450 Seiten starken Gutachten hervorgehen. Bei der Präsentation beschränkte sich Kramer auf Grundsätzliches. Wenn die Samtgemeinde Einfluss nehmen wolle auf die Entwicklung der Bevölkerungszahl und -struktur, dann könne sie aktiv um Zuzüge werben und um Bürger, die etwa nach der Ausbildung wieder in die Samtgemeinde zurück kehren.

Auch die Ausweisung neuer Baugebiete sei ein Mittel, ebenso die Weiterentwicklung öffentlicher Einrichtungen, um attraktiv zu sein. Außerdem gelte es, den „hohen Leistungstand im Bereich Kinder und Familien“ zu sichern – privat wie kommunal. Aktiv-Szenario nennt Kramer das Paket.

Im Passiv-Szenario hingegen beschränkt man sich auf die „Konsolidierung des bislang Erreichten“. Statt Baugebiete auszuweisen werden etwa Baulücken geschlossen und öffentliche Einrichtungen nur dem aktuellen Bedarf angepasst.

Selbst wenn die Tarmstedter mit aller Kraft um jeden Bürger kämpfen, wird sich das Schrumpfen der Einwohnerzahl nicht verhindern lassen. Das Aktiv-Szenario geht für die den nächsten 20 Jahre von einem Rückgang um rund 700 Personen aus. Im Passiv-Szenario sind es rund 1300 Bürger. Und Kramer warnte den Rat. Was auch immer er im Rahmen des Aktiv-Szenarios zu tun gedenke, es seien dabei äußere Widerstände zu erwarten. Am Ende sei es aus seiner Sicht aber ohnehin irrelevant, wie viele Menschen in einer Kommune leben, so Kramer. „Entscheidend ist, dass es den Menschen gut geht.“

Ausbildungspotenzial sinkt
Nach seiner Darstellung dramatischer sind die Veränderungen in der Alterspyramide. So zeichne sich ab, dass die Zahl der Jugendlichen, die die Schule verlassen um eine Ausbildung zu beginnen, bis 2030 um fast die Hälfte sinken wird. Heißt: Firmen, die Lehrlinge suchen, werden massive Schwierigkeiten bekommen. „Dieses Problem ist nicht zu lösen.“ Absehbar sei auch, dass die KGS Tarmstedt „relativ bald“ und dann durchgehend nur noch fünfzügig betrieben werde.

Die noch jüngeren Jahrgänge „schrumpfen“ ebenfalls. So sehr, dass man die Grundschule Wilstedt zumindest im Passiv-Szenario schließen müsste, wie der Experte meint. Eine Konzentration auf den Grundschulstandort Tarmstedt sei aus seiner Sicht problemlos möglich. Die dafür nötigen Investitionen rechneten sich schnell.

Die Gruppe der Alten wachse unterdessen stark. Diese bei Bedarf zu pflegen, sei unmöglich. „Das Konzept der Altenpflege ist nicht zukunftsfähig.“ Schließlich sei nicht zu erwarten, dass sich um „ein zigfaches“ mehr KGS-Abgänger für einen Beruf in der Pflege entscheiden werden.

Keine Aussprache
Der Samtgemeinderat nahm Kramers Ausführungen zunächst zur Kenntnisse. Zur Aussprache darüber wird es voraussichtlich kommen, wenn alle Ratsmitglieder das komplette Gutachten kennen.



Artikel vom 20.09.12 Zevener Zeitung

 

Mit ein paar Bauplätzen auf gutem Weg

Gutachter rät Kirchtimkern zu offensiverer Außendarstellung - Sonst alles „relativ easy"
KIRCHTIMKE. Als „relativ easy" hat Peter H. Kramer die sich für die Gemeinde Kirchtimke abzeichnenden Folgen des demografischen Wandels bezeichnet. So lange in den kommenden Jahren immer der eine oder andere Bauplatz zur Verfügung steht, seien keine Probleme zu erwarten, so der Diplom-Ingenieur für Stadtplanung.
Kramer gastierte am Dienstagabend in Kirchtimke, um Interessierten dort zu skizzieren, wie es mit Kirchtimke bis 2030 weitergehen könnte. Ohne Zahlen zu nennen sagte er mit Blick auf die Einwohnerzahl eine stabile Entwicklung voraus. Entscheidend dafür sei, dass jungen Leuten in den beiden Ortschaften die Möglichkeiten geboten werden, in der Nähe der Eltern und Verwandten ein Eigenheim zu errichten. „Sie brauchen den einen oder anderen Bauplatz", riet er dem runden Dutzend Zuhörer. Mutmaßlich seien dafür aber genügend Baulücken verfügbar.
In diesem Zusammenhang kritisierte er das gültige Regionale Raumordnungsprogramm (RROP)
des Landkreises. Darin stehe lediglich, dass die Siedlungsentwicklung der Dörfer ökologisch und regionaltypisch zu erfolgen habe.
Bei der anstehenden Novelle des RROP sollte nach seiner Meinung aufgenommen werden, dass die nachfolgenden Generationen in jedem Fall die Möglichkeit haben sollen, sich anzusiedeln. Spätestens, wenn ab etwa 2020 die Kinder der Babyboom-Generati-on eigene Familien gründen, werde der Bedarf steigen.
Die Kapazität des Ostertimker Kindergartens sei ausreichend, so lange der Gesetzgeber nicht die Regelgruppengröße verringere. In der Samtgemeinde sei hinsichtlich der Betreuungseinrichtungen immer „sehr schlank und nah an der Problematik gearbeitet worden", weswegen zumindest keine Überkapazitäten zu erwarten seien.
Ausbaufähig sei das Angebot für ältere Mitbürger. Die Gruppe der Senioren werde kontinuierlich größer werden und für diese mussten Angebote bereitstehen, ihre Leistungsfähigkeit möglichst
lange aufrecht zu erhalten. Schließlich sei es schon heute so, dass die „jungen Alten" die noch älteren Pflegefälle betreuten. Die Senioren auf Trab zu halten, sei auch aus politischer Sicht ratsam. In Südniedersachsen gebe es mittlerweile Initiativen von Senioren, die sich gegen Projekte richten, die überhaupt nicht geplant seien. „Beschäftigen Sie die, sonst beschäftigen die Sie."
Plakate mit Kickerinnen
Ähnlich wie die Wilstedter forderte Kramer auch die Oster- und Kirchtimker dazu auf, ihre Außendarstellung zu verbessern. Die sei „dünn, sowohl in der virtuellen Welt als auch im Dorfbild". Wer in die Gemeinde komme, müsse sofort erkennen können, was diese ausmache. In Kirchtimke seien dies etwa die Kirche und die erfolgreiche Damenfußballmannschaft. Es hätte auss einer Sicht nichts dagegen gesprochen, ein Foto der Kickerinnen nach der jüngstem Aufstieg im Dorf zu plakatieren. „Alles muss wahrnehmbar sein." Auch die eigentlich nicht zu übersehende Kirche.
Der Baum davor dürfe ruhig fallen. Derzeit vermittele das Gotteshaus die Botschaft: „Bleib weg!" Die Leistung der Kirche werde nicht sichtbar.
Dass die Identität der politischen Gemeinde künftig zumindest virtuell besser zum Vorschein kommt, dafür soll bald mit einer eigenen Internetseite gesorgt werden, kündigte Bürgermeister Armin Springwald unmittelbar nach der Infoveranstaltung an. (bal)

Peter H. Kramer hat im Auftrag der beteiligten Samtgemeinden Seisingen, Sittensen, Tarmstedt und Zeven ein Gutachten zur Bevölkerungsund Gemeindebedarfsentwicklung in der Region Börde Oste-Wörpe bis 2030 geschrieben. Die Ergebnisse stellt er derzeit auf zahlreichen Infoveranstaltungen in den vier Samtgemeinden und deren Mitgliedsgemeinden vor. Kramer ist Diplom-Ingenieur und betreibt in Grünenplan (Kreis Holzminden) das Büro für angewandte Systemwissenschaften in der Stadt- und Gemeindeentwicklungsplanung.

Zevener Zeitung 27.9.2012

Weniger Kinder im Dorf als früher

Der Stadtplaner Peter Kramer stellt sein Demografie-Gutachten auch für Kirchtimke vor / Weniger Kinder im Dorf als früher- 01.10.2012
Die Bevölkerung soll besser informiert werden
Von Johannes Kessels - Weser Kurier

Kirchtimke. Sportliche Erfolge und die Kirche – das ist es, was laut Stadtplaner Peter Kramer das Dorf Kirchtimke auszeichnet. Damit werde aber viel zu wenig geworben, meinte er in einer Diskussionsveranstaltung, in der er das Demografie-Gutachten vorstellte, das er für die Samtgemeinde Tarmstedt und ihre Mitgliedsgemeinden erstellt hat. Kirchtimke solle in beiden Dörfern neuen Wohnraum schaffen, aber nicht unbedingt ganze Neubaugebiete.

Zwar gebe es in Kirchtimke überdurchschnittlich viele Kinder, sagte Peter Kramer in der 13-köpfigen Diskussionsrunde im Dorfgemeinschaftshaus, aber auch hier gehe die Zahl zurück, da sich der Pillenknick der späten 60-er Jahre auswirke. Ab 2020 setzen dann die Nachfahren der "Babyboomer" wieder mehr Kinder in die Welt. Pastor Wolfgang Preibusch merkt ebenfalls den Rückgang: "Wir haben so wenig Konfirmanden wie noch nie", sagte er.

Bei der Kinderbetreuung ändert sich laut Kramer für Kirchtimke erst einmal nichts, aber wenn die Kinderzahl wieder ansteige, werde es "ganz schön eng". Ein Problem könne dadurch entstehen, dass jetzt alle Gemeinden viel investierten, um den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz, den laut Gesetz ab 2013 35 Prozent aller Kinder haben, zu erfüllen.

Dabei werde aber vom heutigen Status quo ausgegangen. "Es kann sein, dass in ein paar Jahren niegelnagelneue Einrichtungen wieder geschlossen werden müssen", warnte Peter Kramer. Ansonsten sei der demografische Wandel, was Kinder betreffe, in Kirchtimke aber recht unproblematisch. Aber, wandte Wolfgang Preibusch ein, es finde doch kaum noch Zuzug statt. Peter Kramer bestätigte, dass viele junge Leute in die Stadt ziehen, besonders nach Hamburg, aber auch Rotenburg sei beliebt. "Zeven hängt etwas hinterher, Bremervörde ist unterirdisch." Bremen habe zu wenig Wohnungen gebaut, in Oldenburg sei es noch schlimmer, und in Cloppenburg habe der Stadtrat sogar den Beschluss gefasst, dass keine Mietskasernen gebaut werden dürfen. "Die treiben die jungen Leute regelrecht hinaus, die ziehen dann wieder zu Mutti aufs Dorf."

Allerdings dürften die Dörfer sich nicht von den Oberzentren unterbuttern lassen, meinte Kramer, denn die versuchten oft, eine Abwanderung zu verhindern. Wie das gesteuert werden könne, fragte Preibusch. Die Dörfer müssten Einfluss auf die Raumplanung nehmen, forderte Peter Kramer. Für den Landkreis Rotenburg werde gerade wieder das Regionale Raumordnungsprogramm aufgestellt. Dort müsse sichergestellt werden, dass in Kirch- und Ostertimke über den Ort verteilt neue Bauplätze angeboten werden können. Dafür gebe es in beiden Dörfern noch Möglichkeiten, erklärte Bürgermeister Armin Springwald. "Und auf die Spielplätze stellen wir dann Sportgeräte für Senioren", fügte er ironisch hinzu – Peter Kramer hatte gefordert, Sportangebote für die "jungen Alten" zu schaffen.

Ein Teilnehmer fragte, wie man Junge und Alte im Dorf zusammenbringen könne – Hausaufgabenhilfe könne man doch auch im Dorf anbieten. "Damit können Sie sofort anfangen", ermutigte ihn Kramer. Besonders die "jungen Alten", die gerade in Rente gegangen seien oder kurz davor stünden, müssten beteiligt und beschäftigt werden. Wenn es Möglichkeiten zu sinnvoller Beschäftigung gebe, ließen die Menschen sich auch gewinnen, glaubt Pastor Preibusch.

Eines mache die Region sympathisch, sei aber auch ihr Problem, meinte Peter Kramer: "Hier laufen viele gute Sachen, aber die Außendarstellung ist etwas dünn." Man sollte, wenn man nach Kirchtimke hineinfahre, sofort erkennen: "Hier bist du in Kirchtimke, und hier ist das so." Jetzt sehe man aber nicht, dass beispielsweise die Damenfußballmannschaft das TSV Timke in die Landesliga aufgestiegen sei – die sollte am Ortseingang plakatiert werden. Und die Kirche wirke so, als schotte sie sich ab.

Das wollte Wolfgang Preibusch nicht auf sich sitzen lassen: Kein Mensch fahre an der Kirche vorbei, ohne auf das Bremspedal zu treten. Die Kirchengemeinde sei sehr aktiv und bekannt. Aber zumindest die Bäume vor der Kirche sollten entfernt werden, meinte Kramer, damit sie besser wahrnehmbar werde. Armin Springwald sagte, die eigene Bevölkerung müsse besser informiert werden, was im Ort passiere – deshalb gebe er auch zu Beginn jeder Ratssitzung einen ausführlichen und äußerst detaillierten Rückblick auf die vergangenen Monate.

Demografische Entwicklung bis 2030

Tarmstedt soll mit Vorzügen offensiv werben
Demografie-Experte erwartet Rückgang der Einwohnerzahl um 10 bis 16 Prozent - Potenzielle Neubürger aus Worpswede
TARMSTEDT. Die Gemeinde Tarmstedt bietet eine gute Infrastruktur und ermöglicht seinen Bürgern stressfreies Wohnen. Da sind sich die Mitglieder des Rates mit dem Demografie-Experten Peter H. Kramer einig. Woran es aber hapere, ist die Darstellung dieser Vorzüge nach außen, hieß es am Donnerstagabend. Da stellte Kramer sein Gutachten zur Entwicklung der Gemeinde vor.
Die Zahl der Einwohner wird in Tarmstedt bis 2030 sinken. Der Rückgang, den Kramers Computer errechnet haben, liegt zwischen 10 und 16 Prozent und ist abhängig vom Grad des Engagements mit dem ihm entgegengewirkt wird. Chancen sieht Kramer im Bereich der aktiven Anwerbung. Tarmstedt müsse sich dem Wettbewerb mit anderen Anbietern von Bauplätzen stellen.
Gemeinden wie Lilienthal oder Worpswede hätten längst ihre ländliche Prägung verloren und könnte Tarmstedt so als Quellgebiet für Zuzügler dienen, ist Kramer überzeugt. Die seien schon deshalb nötig, weil etwa ein Drittel der jungen Leute Tarmstedt zur Ausbildung verlassen.
Zudem sei absehbar, dass die Zahl der Sterbefälle die der Geburten in den nächsten Jahren deutlich übersteigen werde. Was Kramer „natürliche Bevölkerungswanderung" nennt, wird bis 2030 jährlich rund 30 Einwohner kosten. Parallel werde die Altersgruppe der 10- bis 18-Jährigen um fast 50 Prozent schrumpfen.
Mit einem neuen Gewerbegebiet und qualifizierten Arbeitsplätzen sei einem Bevölkerungsrückgang übrigens nicht zu begegnen. Es sei belegt, dass „absolut kein Zusammenhang" bestehe zwischen der Entwicklung der örtlichen Beschäftigung und der Einwohnerzahl. (bal)
Zevener Zeitung 8.12.2012

 

Zahl der Hochbetagten steigt

Pressemitteilung des Landesbetriebes für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen
Datum: 22. März 2012
Nummer 27/12

HANNOVER. Die Zahl der Hochbetagten - dazu gehören alle Personen, die das 80. Lebensjahr überschritten haben - wird in den kommenden Jahrzehnten deutlich ansteigen und sich bis 2060 wahrscheinlich annähernd verdoppeln. Wie der Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen (LSKN) mitteilt, kann gleichzeitig davon ausgegangen werden, dass die Altersgruppe der 65- bis unter 80-Jährigen langfristig geringfügig kleiner wird.

In den Landkreisen und kreisfreien Städten ist der Anteil der Hochbetagten unterschiedlich hoch. Der für 2060 ermittelte Anteil der Hochbetagten an der Gesamtbevölkerung wird in einzelnen Landkreisen bereits im Jahr 2030 erreicht.

Trotz sinkender Bevölkerungszahlen ist zu erwarten, dass sich die Zahl der stationären Krankenhausbehandlungen bis 2030 aufgrund der Alterung der Bevölkerung um 155 000 Behandlungen erhöhen wird. Allein für Hochbetagte werden bis 2030 zusätzliche Kapazitäten für etwas 125 000 Behandlungen benötigt. Bedingt durch den sich ändernden Behandlungsbedarf wird es im Krankenhauswesen außerdem zu deutlichen Strukturveränderungen kommen müssen.

Die zunehmende Alterung der Bevölkerung wird sich auch auf die Zahl der zu erwartenden Pflegebedürftigen auswirken. Bis 2030 dürfte diese Gruppe in Niedersachsen um gut 60 Prozent auf 229 000 Personen anwachsen. Der Bedarf an professionellen Pflegekräften für die ambulante Pflege der Hochbetagten dürfte aufgrund der zu vermutenden Entwicklung bezüglich der häuslichen Pflege durch Familienangehörige und ähnliche Personen überproportional wachsen.

Den vollständigen Aufsatz zum Thema „ Zahl der Hochbetagten in Niedersachsen verdoppelt sich" finden Sie im Statistischen Monatsheft Niedersachsen 3/2012 ab S. 112.

Christen in Deutschland werden zur Minderheit


- Leseprobe © Die Welt (online) 6.9.2013 Axel Springer AG 2013 -

Christen in Deutschland werden zur Minderheit

Die Religion in Deutschland wird in 20 Jahren weit weniger als heute verbreitet sein. Das Christentum wird zur Angelegenheit einer Minderheit. Doch so kann sie das religiöse Denken inspirieren. Von Matthias Kamann
Die Vision der Kirche im Jahr 2033: Nur eine Minderheit wird ihr noch angehören

Die Vision der Kirche im Jahr 2033: Nur eine Minderheit wird ihr noch angehören

Wunder sind in einer Religion grundsätzlich denkbar. Auszuschließen aber sind sie bei der Lebenserwartung religiöser Menschen. Deshalb werden in 20 Jahren weniger als 50 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen einer der beiden großen Kirchen angehören. Derzeit sind es rund 60 Prozent, nämlich 23 Millionen Protestanten und 24 Millionen Katholiken, deren Gesamtzahl alljährlich um rund 500.000 sinkt, und zwar hauptsächlich durch Todesfälle.

Dieser demografische Schwund wird weitergehen, ja, sich in den kommenden Jahren noch verstärken. Denn das Gros der Kirchenmitglieder findet sich heute in den älteren Generationen, die auf den Tod zugehen, während es in den ohnehin kleineren Generationen der Jüngeren viel mehr Konfessionslose gibt. Folglich werden die beiden Kirchen 2033 zusammen deutlich weniger als 40 Millionen Mitglieder haben. Kirchlichkeit wird zur Angelegenheit einer Minderheit werden.

Kaum fähig, Zehn Gebote aufzuzählen

Das sind nur die Zahlen. Hinzukommen die Überzeugungen. Erst im Januar 2013 ergab eine Sinus-Studie unter deutschen Katholiken: "Viele Befragte verstehen sich nicht als gläubig im traditionellen Sinn und suchen auch nicht aktiv nach einer Beziehung zu Gott." Die meisten dieser Kirchenmitglieder bezeichnen sich als religiös, "definieren aber den Inhalt ihres Glaubens ebenso wie ihre Vorstellungen von Gott eher diffus".

Die Auferstehung der Toten oder die unbefleckte Empfängnis würden "nur noch von wenigen wörtlich genommen". Übrigens sind 80 Prozent der meist katholischen Italiener nicht mehr fähig, die Zehn Gebote aufzuzählen.

Bei den deutschen Protestanten wiederum haben schon heute mindestens 20 Prozent der Kirchenmitglieder als unreligiös und kirchenfern zu gelten. Am Karfreitag besuchen gerade mal vier Prozent der protestantischen Kirchenmitglieder einen Gottesdienst. Da Religiosität vor allem in Familien weitergegeben wird, von den Eltern an die Kinder, spricht somit alles dafür, dass in 20 Jahren unter den verbleibenden Kirchenmitgliedern die Treue zu Bekenntnissen und Ritualen ihrer jeweiligen Konfession noch geringer sein wird als heute schon.

Nicht Kleingruppen, sondern Großorganisationen

Dass unter den übrig bleibenden Christen eine neue, glühende Glaubensfestigkeit ausbricht, wird allenfalls für eine noch viel kleinere Minderheit gelten, als dies Joseph Ratzinger, der Propagandist der frommen Kleinkirche, jemals im Sinne gehabt haben dürfte.

Gegen Ratzingers Konzept von der Kirche als Gemeinschaft der Feurigen spricht nach allen Prognosen vor allem, dass sich Religiosität weiterhin in formaler Kirchenmitgliedschaft ausdrücken wird. Wenn auch auf niedrigerem Zahlenniveau, wird Christlichkeit in Deutschland auch in 20 Jahren so aussehen, dass man nicht Kleingruppen, sondern Großorganisationen angehört.

Großorganisationen aber, die als Repräsentanten von weniger als der Hälfte der Bevölkerung die gesellschaftlichen Diskurse weniger prägen und zudem keine homogenen Milieus mehr anbieten können, in denen man tagein, tagaus nur Katholiken oder Protestanten trifft. Vielmehr sind die Kirchenmitglieder viel stärker den Gedanken von Nichtgläubigen ausgesetzt – und werden durch diese beeinflusst.

Zweifel an Dogmen offensiver formuliert

"Eine neue Stufe der Religionsgeschichte" sieht hierin der Marburger Theologe Hans-Martin Barth. "Neben der Welt der mehr oder weniger glücklich weiterlebenden Religionen mit ihren traditionellen religiösen Angeboten formiert sich ein Bereich von Areligiosität und Indifferentismus", schreibt Barth in seinem neuen Buch "Konfessionslos glücklich", dessen Titel schon deutlich macht, was kommt: eine Christlichkeit, die im Wechselspiel zwischen Konfessionsbindung und Konfessionslosigkeit lebt.

Wer weiterhin einer Kirche angehört, wird daher über kurz oder lang anfangen, seine bei Glaubensfernen gemachten Erfahrungen ins Christentum hineinzutragen. Die Kirchenmitglieder werden ihre Zweifel an den Dogmen offensiver formulieren, statt sie wie heute von Bischöfen als defizitär abqualifizieren zu lassen. Viel offener wird man darüber reden, dass man an bestimmte Dinge einfach nicht glauben kann.

Auf der Suche nach Inspiration

Auf große Resonanz bei Theologen stoßen schon heute Vordenker wie der französische Wissenschaftstheoretiker Bruno Latour, der nicht mehr einsieht, sich von seiner katholischen Kirche das Glaubenmüssen an unplausible Dogmen vorschreiben zu lassen. Latour plädiert ähnlich wie der deutsche Philosoph und Historiker Kurt Flasch in dessen Buch "Warum ich kein Christ bin" für ein poetisches, im Herzen bewegtes Lesen biblischer Geschichten, mit offenem Ausgang, auf der Suche nach Inspiration, nicht nach festen Überzeugungen.

Nichts zu tun hat das mit einer Patchwork-Religion, einem esoterischen Zusammenbasteln von Buddhismus, Schamanentum und Bergpredigt, was nach allen soziologischen Befunden deutlich weniger ausgeprägt ist als oft angenommen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass ein weiterhin erheblicher Anteil der Bevölkerung das nach wie vor vorhandene Bedürfnis nach Religiosität vor allem auf die christliche Tradition richtet, diese aber zunehmend aus der Perspektive interessierter Ungläubigkeit betrachten wird.

Für die Verfechter konfessioneller Festlegungen dürften somit schwere Zeiten anbrechen, für die inspirierte Auseinandersetzung mit christlichen Botschaften und Geschichten eher gute.